Archiv für April 2016

DER 20. APRIL IN JENA – Selbstbewusster Antifaschismus trotz Polizeigewalt und Fackelmarsch

Nazis laufen, Fackeln brennen, Polizei regelt das
Die Bilanz zu gestern könnte eigentlich schlimmer kaum sein: Angeekelt und wütend mussten wir mit ansehen, wie über 200 Neonazis an Hitlers Geburtstag mit „Juden raus“-Rufen durch Jena zogen. Dass THÜGIDA laufen und ihre Fackeln brennen konnten, sicherte ein erneut maßlos überzogener Polizeieinsatz ab: Die Marschroute war hermetisch abgeriegelt. Pfefferspray, Hunde, Wasserwerfer, bayrische Sonder-Schlägertrupps und Gitter über Gitter konnten bis auf kleine Ausnahmen effektive Blockaden verhindern.
Dennoch: Der Abend verlief für die Neonazis keinesfalls störungsfrei. Ein Kabelbrand an der Bahnstrecke erschwerte zunächst die Anreise. Neben Sprechchören flogen ihnen dann später auch Wasserbomben und Kartoffeln an allen Ecken der Route um die Ohren. Schließlich umstellten über 3000 Gegendemonstrant*innen die Route und machten die Kräfteverhältnisse in der Stadt beeindruckend deutlich.

Repression gegen Antifaschist*innen: 23 verletzt, 6 in Gewahrsam

Das DemoSani-Team meldete über zwanzig Verletze durch Polizeigewalt, darunter mindestens ein tiefer Hundebiss. Sechs Antifaschist*innen wurden in Gewahrsam genommen, bis Mitternacht jedoch wieder freigelassen. Auch auf Seiten der Nazis gab es ca. 25 Festnahmen.
Dass sich die Berichterstattung nun auf Randale, Ausschreitungen und verletzte Polizist*innen stürzt, ist extrem unnötig und wird dem Tagesgeschehen in keinster Weise gerecht. Es lenkt auch mal wieder medientypisch penetrant von der Ernsthaftigkeit der derzeitigen Entwicklungen im rechten Lager und der besorgniserregenden Zunahme neonazistischer Aufmärsche und Gewalt ab. Der Rassismus in Deutschland und die zunehmenden Übergriffe auf Geflüchtete und ihre Wohnorte zurzeit – das ist das „neue Ausmaß an Gewalt“ über das wir reden sollten.

Linker Terror – Here we go again!

Das (vorgeschobene) Tages-Motto der Nazis – „Dem linken Terror keine Stadt mehr“ – erschien im Licht der Situation, die gestern in der Stadt herrschte, ziemlich lächerlich. Mit hunderten gemeinsam umherschweifenden Antifaschist*innen haben wir dem linken Terror freudig Rechnung getragen und uns die nicht vergitterte Rest-Stadt für mehrere Stunden genommen. Die dynamischen und energiegeladenen antirassistischen Spontandemos rauf und runter durch Jenas Straßen waren für viele von uns ein lang vermisster Akt der kollektiven Selbstermächtigung. Unser „Refugees are welcome here“ und das „Nationalismus raus aus den Köpfen“ waren gestern nicht nur lauter als die Nazi-Parolen, sondern strotzten auch vor neuem antifaschistischem Selbstbewusstsein. Besonders schick anzusehen: Der Jugendblock vom Bündnis „Jugend gegen Rechts“, der sich mit einem Erscheinungsbild irgendwo zwischen kreativer Parade, jubelnder Ultra-Kultur und aktionistischer Sponti laut und entschlossen durch die Stadt bewegte.

Es war ein aktionsreicher Tag, am Ende frustrierend und in Anbetracht des laufenden Fackelmobs auch schmerzhaft, aber dennoch keiner, der uns in Ohnmacht versetzt. Es war ein Tag, der uns als Antifaschist*innen auch Kraft gegeben hat und Motivation für die kommenden Auseinandersetzungen und Kämpfe.

SOLITRESEN #9 – Demo-Sanis & Feministische Gruppe

Mit dem Solitresen bieten wir regelmäßig für verschiedenste Leute die Möglichkeit, in gemütlicher Kneipenatmosphäre bei einem günstigen und undogmatischen Bier oder anderen prickelnden Kaltgetränk zusammenzukommen. Unser Solitresen Nr. 9 findet am Donnerstag, den 21.04. im Freiraum statt. Euer Suff ist auch diesmal einem guten Zweck gewidmet, da die Einnahmen des Abends wieder an alternative, linke Projekte in und um Jena gehen.

Dieses Mal könnt ihr für die DemoSaniGruppe, die feministische Gruppe „FKK“ und eine Einzelperson, deren Brille bei einer Aktion von Cops zertreten wurde, trinken. Wer diese Gruppen sind und was sie so machen, könnt ihr herausfinden, wenn ihr vorbeikommt. Los geht’s 20 Uhr! Bringt all eure Freund*innen mit! Pfeffi, selfmade Mexikaner und Stullen sind natürlich auch wieder mit am Start!

Den Freiraum findet ihr im Keller des Kulturbahnhofs, auf der Rückseite des Gebäudes.

Next Stop Lausitz – ENDE GELÄNDE 2016 | Info- und Mobi-Veranstaltungen in Jena

Gemeinsam mit vielen Menschen werden wir an Pfingsten 2016 vom 13. bis 16. Mai die Kohlebagger stoppen – mit einer großen Aktion zivilen Ungehorsams in der Lausitz. Warum muss die Kohle im Boden bleiben? Wie soll unser Widerstand aussehen und warum machen wir das eigentlich in der Lausitz?

In einer öffentlichen Infoveranstaltung wollen wir am kommenden Dienstag über alles rund um Klimawandel, Kapitalismus und Braunkohleabbau bis zum Lausitzcamp, Aktionskonsens und Rechtlichem sprechen. Alle Infos zu Ende Gelände 2016, und Antworten auf eure Fragen gibt es hier:

DIENSTAG 12.APRIL | 19 UHR | Hörsaal 7
(FSU Jena, Carl-zeiss-Straße 3)
„KOHLE STOPPEN – KLIMA RETTEN“ – Infoveranstaltung zu „Ende Gelände 2016″

Weiter Veranstaltungen in Jena zur Vorbereitung auf das Aktionswochenende:

DONNERSTAG, 28.APRIL | 19 UHR | Frei(T)raum
„AUF DER KIPPE“ – Film & Diskussion
Dokumentarfilm (2015) über die sozialen Folgen des zerstörerischen Braunkohlebergbaus in der Lausitz und den erbitterten Kampf der Lokalbevölkerung gegen Bagger und Grube. Anschließend Diskussion: Antikapitalistischer Widerstand oder doch bloß deutscher Heimatschutz?
www.aufderkippe-film.de

DONNERSTAG, 05.MAI | 19 UHR | Wohnzimmer
„SOMOS VIENT O – DER WIND SIND WIR“ – Film & Diskussion
Dokumentarfilm (2013) über den Widerstand indigener Gemeinden gegen einen von der Regierung geplanten Windkraftpark in der südmexikanischen Landenge vonTehuantepec. Anschließend Diskussion: „Green New Deal“ – Was ist neu bzw. altbekannt beim grün lackierten Kapitalismus der heutigen Zeit?
www.somosvientodocumental.wordpress.com

Den Frei(T)raum des STuRa der Uni Jena findet ihr in der Carl-Zeiss-Straße 3 hinter der Cafeteria rechts. Wenn ihr Fragen zu An- und Abreise habt oder euch in die Vorbereitung einklinken wollt, kommt zu den Veranstaltungen oder meldet euch direkt bei uns!
Mehr Infos und einen generellen Überblick gibts auf ende-gelaende.org