Archiv für Dezember 2017

Recht auf Stadt Jena: Lärm-Kundgebung gegen skandalösen Fall von Entmietung

Wir dokumentieren den Pressebericht von Recht auf Stadt Jena:

Jena. Seit mehr als einem halben Jahr muss eine Mieterin in Zwätzen ohne Heizung und Wasserversorgung in ihrer Wohnung leben. Um Druck auf die zuständige Verwaltungsgesellschaft aufzubauen, haben heute ca. 30 solidarische MieterInnen und AktivistInnen an einer „Lärm-Kundgebung“ teilgenommen.

Die Initiative „Recht auf Stadt Jena“, die zu dem Protest aufgerufen hat, spricht von einem „skandalösen Fall von Entmietung“. Die DemonstrantInnen zogen mit Kochlöffeln und Töpfen, Tröten und Posaunen lautstark vom OBI-Baumarkt zur Verwaltungsgesellschaft Engelmann in der Löbstedter Straße, um dort begleitet von Musikbeschallung eine Kundgebung direkt vor den Räumen der Verantwortlichen abzuhalten. „Nachdem es auf unsere schriftlichen Aufforderungen keine Reaktion seitens der Hausverwaltung gab, fordern wir sie nun nochmals öffentlich dazu auf, eine Heizungs- und Wasserversorung in der betroffenen Wohnung zu gewährleisten, die Räumungsklage und andere Einschüchterungsversuche zu beenden und endlich das Recht auf würdiges Wohnen anzuerkennen“, sagt die Initiative Recht auf Stadt.

Auf Schildern und Transparenten wurde unter anderem eine „Stadt für Alle“ gefordert, ein Ende von „Mietenwahnsinn und Verdrängung“ und „warme Wohnungen statt kalte Entmietung“. Außerdem wurden Forderungszettel verteilt und ein menschengroßes Plakat mit der Aufschrift „Erster Preis in der Kategorie mieterInnenfeindlichste Verwaltung“ von einem Weihnachtsmann an den Zaun des geschlossenen Verwaltungsgebäudes gehängt.
Zu seiner Motivation für die Aktion sagte einer der Teilnehmer: „Ich möchte hier heute deutlich machen, dass wir uns als BewohnerInnen dieser Stadt so ein mieterInnenfeindliches Verhalten seitens Hausverwaltungen und Eigentümern nicht gefallen lassen“. Ein weiterer Teilnehmer erzählte in einem Redebeitrag von seinen negativen Erfahrungen mit der kritisierten Engelmann Verwaltungsgesellschaft: Auch er sei in seiner alten Wohnung mit repektlosem Verhalten und einer völlig gegenstandslosen Abmahnung konfrontiert worden.

Das „Alte Gut“ in Zwätzen gehört seit einigen Jahren der Immobilien Invest GmbH, die auf dem Gelände im Zuge umfassender Sanierungen 72 luxuriöse Familienwohnungen mit Tiefgarage entstehen lassen will. Die nun von dem Entmietungsskandal betroffene Frau ist die einzige noch verbliebene Mieterin in dem Gebäudekomplex. Die meisten ihrer ehemaligen NachbarInnen sind in den vergangenen Jahren und Monaten gegen eine Abfindung ausgezogen.
Dass es sich um eine klaren Fall von Entmietung handelt ist inzwischen kaum noch zu übersehen. „Erst kein Wasser und keine Heizung, dann eine völlig inakzeptable Räumungsklage – was sich hier abzeichnet ist der Versuch eines skrupellosen Eigentümers mit Hilfe einer rücksichtslosen Hausverwaltung eine Frau aus ihrer Wohnung zu vertreiben. Es ist einfach unglaublich, wie auf diese Weise Häuser zu profitablen Anlageobjekten erklärt werden! Für wen soll Wohnen sich denn lohnen?“, so die InitiatorInnen der Kundgebung.

Die betroffene Mieterin hat an der Aktion heute nicht teilgenommen. Schlimmer noch als die kalte Wohnung sei der psychische Druck und der Stress, den die Situation ihr bereite. „Ich will doch einfach nur in Ruhe in meiner Wohnung leben“ sagt sie noch am Vorabend auf einem öffentlichen Vorbereitungstreffen für die Aktion und macht deutlich: „In Weihnachtsstimmung bin ich zur Zeit jedenfalls nicht“.

Es ist nicht verwunderlich, dass die MitarbeiterInnen der Verwaltungsgesellschaft heute nicht vor Ort waren. Sie scheinen die direkte Konfrontation zu meiden. Auch ein Banner, was in den vergangenen Wochen über das Bauprojekt in Zwätzen informierte, wurde offenbar im Vorfeld der Aktion entfernt. „Insgesamt bewerten wir die Aktion als einen Erfolg, weil wir es geschafft haben auf einen beispiellosen Fall von Entmietung in Jena aufmerksam zu machen. Falls es nun erneut keine Reaktion der Verantwortlichen gibt, werden wir uns auf weitere Aktionen im kommenden Jahr vorbereiten“, resümieren die InitiatorInnen von Recht auf Stadt Jena.

THE ANTIFASCISTS – Film- und Diskussionsveranstaltung am 19.12.17

Am Dienstag, dem 19.12.2017 zeigen wir um 19:00 Uhr im Kino am Markt den schwedisch-griechischen Dokumentarfilm „The Antifascists“.

Die Dokumentation behandelt den Rechtsruck in Europa und die Menschen, die sich der extremen Rechten in den Weg stellen. Wer sind »die« Antifaschist*innen und was ist Antifaschismus? Diesen Fragen wird anhand bestimmter Ereignisse der letzten Jahre in Griechenland und Schweden nachgegangen. Eine ausführliche Beschreibung in deutsch und englisch findet ihr HIER.

Anschließend laden wir euch zu einer gemeinsamen Diskussion über das Gesehene ein. Was bedeutet Antifaschismus heute? Teilt ihr die Darstellung des Films? Und wer sind „die“ Antifaschist*innen?

Der Film ist in Originalsprache mit englischen Untertiteln. Unser Spendenvorschlag ist 1-3 Euro.

Alerta! Wir freuen uns auf euch!

Mehr Infos zum Film:

THE ANTIFASCISTS
Schweden/Griechenland 2017, OmU, DOK, 74 min, Regie: Emil Ramos, Patrik Öberg

Sprache: Griechisch, Schwedisch mit englischen Untertiteln

‚The Antifascists‘ behandelt die Entwicklung der Antifaszenen in Griechenland und Schweden in den letzten Jahren. Während sich Antifaschist_innen in Griechenland, mit dem Erstarken der Goldenen Morgenröte im Zuge der Wirtschaftskrise, mit einer extrem rechten Partei und dazugehöriger Bewegung in Allianz mit Teilen des Polizeiapparats konfrontiert sehen, haben in Schweden vor allem die Fälle der Aktivisten Joel und Showan internationale Aufmerksamkeit und Solidarität erlangt. Showan und einige Aktivist_innen wurden 2014 beim Woman’s Day in Malmö von Faschisten brutal zusammengeschlagen. Showan lag daraufhin mehrere Wochen im Koma. Joel sitzt seit Dezember 2013 im Knast, nachdem es im Zuge eines Nazi-Angriffs auf eine antirassistische Demonstration in einem Vorort von Stockholm zu Auseinandersetzungen kam.
Wer sind ‚die‘ Antifaschist*innen und was ist Antifaschismus?

Der Film gibt einen Einblick in die verschiedenen antifaschistischen Kämpfe und setzt sich anhand der Portraits einiger Aktivist_innen mit radikal linker Politik und Fragen der Notwendigkeit und Reflektion von Militanz auseinander. Das Aufzeigen der Motivation und der Arbeit antifaschistischer Gruppen trägt dazu bei, gängige Vorstellungen vom ‚Antifaschismus‘ zu hinterfragen.

Halle, Apolda, Hannover: UNSERE ALTERNATIVE HEIẞT SOLIDARITÄT!

Solidarische Grüße an alle unsere Freund*innen und Genoss*innen, die heute in Halle, Apolda und Hannover gegen Rassismus in all seinen Formen auf die Straße gehen!

»Das schönste Gefühl der Welt ist es, gegen einen übermächtigen Feind zu kämpfen und dann Solidarität von unerwarteter Seite zu erfahren.« (Dai Donovan in „Pride“)

Die in dem Spielfilm »Pride« verfilmte Geschichte von Londoner LGBT-Aktivist_innen, die sich 1984 dem Streik walisischer Bergarbeiter anschlossen, ist ein Lehrstück in Sachen Solidarität. Wir können heute zwar nicht auf der Straße an eurer Seite sein, aber unserer Unterstützung könnt ihr euch sicher sein:

Halle: Oury Jalloh das war Mord! Aufklärung jetzt!
Apolda: Stoppt alle Abschiebungen! Für Bewegungsfreiheit!
Hannover: Gegen den AfD-Bundesparteitag! Nationalismus ist keine Alternative!

Unsere Alternative heißt Solidarität! Lasst uns auch in Zukunft gemeinsam antirassistisch und antifaschistisch kämpfen!