Archiv für November 2018

VIELEN DANK FÜR DIE BLUMEN! Statement zu einem peinlichen Einschüchterungsversuch der AfD

Mit einem peinlichen Statement wendete sich heute früh die AfD-Landtagsabgeordnete Wiebke Muhsal via Facebook und OTZ an die Öffentlichkeit und klagt darin die Stadt Jena an: „linksradikale Indoktrination“ werde unterstützt, die „Förderung von Linksextremismus“ sei nicht hinnehmbar. Anlass für ihre Aufregung ist unsere Veranstaltung „Beziehungsweise Revolution“ mit Bini Adamczak heute Abend im Kulturzentrum Kassablanca.

Wir sagen zunächst mal: Vielen Dank für die Blumen und die unerwartete Unterstützung bei der Veranstaltungsbewerbung! Vielleicht fühlt sich der eine oder die andere ja einmal mehr ermuntert, später vorbeizuschauen. Die „linksradikale Indoktrination“, welche die AfD-Abgeordnete für heute Abend heraufbeschwört, ist übringens eine spannende Lesung zu Revolutionsgeschichte und politischer Theorie und eine daran anschließende kritische Diskussion mit der Autorin über zeitgemäße gesellschaftsverändernde Praxis.

Es ist nicht der erste Versuch von Seiten der AfD unliebsame politische Gegner*innen öffentlich unter Druck zu setzen. Und im Hinblick auf die kommenden Kommunal- und Landtagswahlen 2019 und das weiter nach rechts rutschende politische Klima ist klar: Es wird auch nicht der Letzte sein. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch andere politische Veranstaltungen und kulturelle Institutionen, die der AfD ein Dorn im Auge sind, ins Schussfeld ihrer billigen Delegitimierungsversuche geraten.

Die Absage des Konzerts der linken Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ durch die Organisator*innen der Bauhaus-Feierlichkeiten im Oktober in Dessau hat gezeigt, worin die Gefahr besteht: Darin, dass Initiativen, die in den Fokus rechter Stimmungsmache geraten, einknicken.

Deswegen: Liebe Kulturinitiativen, Vereine, Beratungsstellen und Gruppen, die ihr in Jena und Thüringen den Kampf gegen Rassismus, Menschenfeindlichkeit und die Verrohung des gesellschaftlichen Klimas durch die Neue Rechte unterstützt: Lassen wir uns nicht einschüchtern!
Im Gegenteil: Lasst uns den Spieß umdrehen und das verzweifelte Aufmerksamkeitsgehasche der AfD mit einem entschlossenen gesellschaftlichen Antifaschismus im Wahljahr 2019 beantworten!

Und finally: Worauf stützt sich eigentlich Muhsals Anklage, die Stadt Jena fördere Linksextemismus, wenn eine antifaschistisch arbeitende Gruppe eine Lesung in einem von der Stadt geförderten Kulturzentrum veranstaltet? Auf die völlig absurde Arbeit des Landesamtes für Verfassungsschutz, das Gruppen, die über soziale Medien zu Protesten gegen die AfD aufrufen, in seinen Berichten als gewaltorientierte Linksextremisten auflistet. Spätestens im Zuge der desaströsen (Nicht-)Aufarbeitung der NSU-Morde hat der Thüringer Verfassungsschutz seine Glaubwürdigkeit und Legitimation verloren.

Was wirklich nicht hinzunehmen ist, ist die Selbstverständlichkeit mit der extrem rechte Kräfte im Parlament und in der Öffentlichkeit mittlerweile auftreten und alle, die sich ihnen entgegenstellen, als „linksextremistisch“ diffamieren. Zur Förderung der AfD aus Steuergeldern sagen wir: Völkischen Nationalisten in Nadelstreifen keinen Raum geben!

PEKARI-Jubiläumsparty: Wir feiern 5 Jahre!

Seit einem halben Jahrzehnt organisieren wir uns als linksradikale Gruppe in Jena – Zeit, mal auf die Pauke zu hauen!
Wir wollen mit euch die antifaschistische, (queer)feministische und antikapitalistische Politik der vergangenen 5 Jahre feiern und Kraft tanken für die kommenden Kämpfe!

Samstag, 01. Dez. 2018
Jubiläumsparty: 5 Jahre PEKARI
Cafe Wagner | Einlass ab 22 Uhr

Mit dabei sind

22:00 – 22:45
SANS FRONTIERES (Rap | Regensburg/Jena)

23:00 – 24:00
LADY LAZY (QueerfemRap | Berlin)

00:15 – 01:15
ALLTAG (Ravepunk | Bremen)

01:30 – 03:00
DJ FVU (QueerHipHop/Trap | Berlin)

03:00 – 4:00
FEMMES FATALES (Hitsgeilgeilgeil | Jena)

04:00 – end
ILLMAGIC (fusión / mestizo / folk / raggapunk | Jena)

TANZEN IST WICHTIG FÜR DIE REVOLUTION!

Vom sofortigen Kohleausstieg zur Klimagerechtigkeit – Ein Fazit der Ende Gelände Aktion 2018

Ausweislos durch die Nacht

Hinter uns liegt die größte Ende Gelände Aktion die es je gab. Vom 25.-29. Oktober kamen über 6000 Aktivist*innen aus ganz Deutschland, Europa und der Welt zusammen um Kohleinfrastruktur im Hambacher Revier zu blockieren, den sofortigen Kohleausstieg und eine globale Klimagerechtigkeit zu fordern.
Am Samstagmorgen starteten mehrere Finger mit 6500 Aktivist*innen von verschiedenen Orten. Weder die rechtswidrige Schikane des Polizeikessels am Bahnhof Düren am Freitag, wo rund 1000 Aktivist*innen aus dem Sonderzug über Stunden festgehalten wurden, mit dem Ziel diese einzuschüchtern, noch Polizeipferde, Wasserwerfer, Knüppel oder Pfefferspray kamen gegen die Entschlossenheit und den Mut der Aktivist*innen an oder konnten diese aufhalten mit rund 2000 Leuten über 24 Stunden die Hambachbahn zu besetzen, die sogenannte „Schlagader des Reviers“, auf der normalerweise pro Stunde 9000 Tonnen Braunkohle aus der Grube zum Kraftwerk befördert werden. Nach 15 km Fußweg übernachteten noch 1500 Aktivist*innen bei 3 Grad auf den Schienen und liefen am nächsten Tag nochmal 15 km feiernd zurück zum Ende Gelände Camp. Ungefähr 150 Menschen hatten sich entschlossen noch auf den Schienen zu bleiben, teilweise in Lock-On’s, und wurden sobald sich die meisten Aktivist*innen auf den Weg zurück zum Camp gemacht hatten brutal von der Polizei geräumt. Hierbei soll nochmal klar gesagt werden: Das ein Großteil der Aktivist*innen die Schienen am Morgen freiwillig verließen ist keine Entsolidarisierung mit denjenigen die noch dort blieben, sondern ganz im Gegenteil. Die Entscheidung wer geht und wer bleibt wurde miteinander abgesprochen und im Konsens und in solidarischer Haltung zueinander beschlossen. Auch hier zeigt sich die solidarische Stärke der Klimabewegung, in der alle nur so weit gehen, wie sie wollen und möchten.
Die eingesetzte Gewalt kann durchaus als Ausdruck der Frustration der Polizei NRW gesehen werden, die sich über Monate zum Handlanger der Landesregierung und RWE machten und schlichtweg keine Möglichkeit hatte, etwas gegen eine Blockade von 2000 Menschen zu tun. Wir waren schlichtweg zu Viele, als dass uns die Staatsgewalt wirklich etwas anhaben konnte und darin liegt wohl eines der empowernsten Momente bei Aktionen von Ende Gelände. 



Der heiße Herbst der Solidarität

Seit 2015 macht das Bündnis Ende Gelände nun Aktionen des zivilen Ungehorsams die sich gegen die Infrastruktur von Braunkohlerevieren richtet. Seit 2012 ist der Hambacher Forst besetzt. Seit Jahren wächst und entwickelt sich also die Klimabewegung in der BRD in einer unglaublichen Dynamik. Mit der Räumung der Besetzungen des Hambacher Forstes in diesem Herbst wurde offensichtlich dass die NRW-Landesregierung etwas politisch nicht mehr tragbares durchzusetzen versucht um das Kapitalinteresse von RWE zu befriedigen und dabei völlig am gesellschaftlichen Diskurs und an rationaler Vernunft, nämlich den Klimawandel aufzuhalten, vorbei agiert. Durch den Kampf um den Erhalt des Hambacher Forst ist es der Klimabewegung gelungen die unterschiedlichsten Gruppen, von militanten Waldbesetzer*innen, über betroffene Anwohner*innen aus der Region, Aktivist*innen aus der ganzen Welt bis hin zu NGO’s und Politiker*innen zusammen zu bringen. Dies wurde besonders deutlich als am 06. Oktober am Hambacher Forst 50.000 Menschen zusammen kamen, um den ein Tag vorher verkündeten vorläufigen Rodungsstop des Waldes zu feiern. Mit 8000 Menschen wurde darüber hinaus nochmal deutlich gemacht, dass der Wald uns und nicht den Konzernen oder der Politik gehört.
Dies reiht sich auch in die Ereignisse des Herbstes der Solidarität ein, bei dem überall in Deutschland zehntausende Menschen zusammen kamen und nun diejenigen unübersehbar macht, die sich gegen den rechten Albtraum wenden und für eine solidarische und ökologische Zukunft einstehen. Sei es bei den zahlreichen Seebrücke-Demos, bei #unteilbar in Berlin, bei #wirsindmehr in Chemnitz, auf der We‘ll-come-united-Parade in Hamburg oder eben am Hambacher Forst

Mit den Ende Gelände Aktionen vom 25.-29. Oktober wurde nun nochmals das Versprechen des heißen Herbstes für RWE, die Landes- aber auch die Bundesregierung eingelöst und deutlich gemacht, dass es keine Zeit mehr zum warten gibt, sondern es jetzt den sofortigen Kohleausstieg braucht.

In Bewegung bleiben

Die Klimabewegung hat nun endlich ihren symbolischen Ort gefunden, welcher als Kristallisationspunkt für den Kampf für eine globale Klimagerechtigkeit dienen kann. In einem solch komplexen und teils abstrakten Kampf, wie dem der Klimagerechtigkeit, braucht es ebendiese Orte um konkreter, Missstände und Ungerechtigkeiten aufdecken und zeigen zu können. Wichtig bleibt allerdings dass wir nicht beim Thema des sofortigen Kohleausstiegs stehen bleiben und unseren Kampf nicht als einen rein reformistischen in dem Sinne begreifen, dass es mit einem kommenden Kohleausstieg getan sei. Als radikale Linke und als Klimabewegung müssen wir Perspektiven aufzeigen die darüber hinausweisen, deutlich machen, dass der Kapitalismus sich qua Definition seiner eigenen Grundlage beraubt und wir deshalb grundlegend etwas an der Art und Weise ändern müssen, wie wir wirtschaften, konsumieren und mit der Natur umgehen. Gleichzeitig müssen wir weiterhin auch für konkrete Verbesserungen kämpfen: zusammen mit den betroffenen Anwohner*innen für den Erhalt ihrer Dörfer um die Tagebauten, für einen sofortigen Kohleausstieg oder für einen sozialen Strukturwandel.
Genau deshalb ist es nun nötig, am Thema des Kohleausstiegs dran zu bleiben, das Agieren von Großkonzernen wie RWE weiter zu skandalisieren und den Diskursrahmen stetig auszuweiten.

Wir haben diesen Herbst zusammen viel erreicht und mit Nachdruck deutlich gemacht, dass es keine Zeit mehr zum warten gibt und wir jetzt handeln müssen, wenn wir nicht wollen, dass in ein paar Jahrzehnten der vergangene Sommer als eher kühl gilt, Unmengen von pazifischen Inseln im Meer verschwunden sind, es immer mehr unbewohnbare Gegenden auf der Erde gibt, Wetterextreme zu nehmen und unter alldem Millionen Menschen leiden müssen.
Organisiert und engagiert euch, sei es in der Ende Gelände Ortsgruppe aus Jena oder bei uns, PEKARI.
Lasst uns zusammen weiterkämpfen, für den sofortigen Kohleausstieg, für ein Klima der Gerechtigkeit und für den Erhalt unserer Lebensgrundlage.

Auf geht’s, ab geht’s!

„BEZIEHUNGSWEISE REVOLUTION“ – Lesung und Diskussion mit Bini Admaczak

Still talkin ’bout the revolution!
Nach unserem bereits sehr ertragreichen Salonkommunismus im Juni wollen wir nun mit einer weiteren Veranstaltung in Jena die Diskussion über eine zeitgemäße Theorie der Revolution fortsetzen. Dafür freuen wir uns riesig über Besuch von der Autorin Bini Adamczak aus Berlin!

29. November 2018
Lesung und Diskussion mit Bini Admaczak
Kassablanca/Gleis 1 (Felsenkellerstraße 13a) | Einlass ab 19:00 Uhr

Beziehungsweise Revolution
Im Oktober letzten Jahres jährte sich die Russische Revolution zum hundertsten Mal. Die globale Revolution von 1968 feiert dieses Jahr ihren Fünfzigsten. Nehmen wir diese Jubiläen zum Anlass, um zurückzuschauen, stellen sich uns als politische Linke viele Fragen: Was können wir aus den zwei völlig unterschiedlichen Versuchen, diese Welt aus den Angeln zu heben, lernen? Inwiefern waren sie erfolgreich? An welchem Punkt sind sie gescheitert oder regressiv umgeschlagen? Und wie können wir es das nächste Mal möglicherweise „besser“ machen?

Ähnlichen Fragen widmet sich auch die Historikerin und politische Theoretikerin Bini Adamczak in ihrem viel beachteten Buch „Beziehungsweise Revolution“. Die folgenreichen Ereignisse von 1917 und 1968 in ein Verhältnis wechselseitiger Kritik setzend, entwickelt sie darin eine zeitgemäße marxistisch informierte, queerfeministische Revolutionstheorie, die unsere Beziehungsweisen in den Fokus rückt und zeigt, warum das Geschlechterverhältnis „im Herzen der Revolution“ liegt. Anhand von Auszügen aus ihrem Buch wollen wir gemeinsam mit der Autorin diskutieren: Was bedeutet revolutionäre Politik heute?

Die Veranstaltung wird durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen gefördert.

ORGANIZE! Wir laden zum Mitmachen ein.

Wer Lust hat uns kennenzulernen und mehr über unsere linke Basisgruppe erfahren möchte, ist herzlich zu unserem offenen Welcome-Abend eingeladen. Kommt vorbei: Freitag, 16. November ab 17 Uhr im Turmkaffe vom Kassablanca (Felsenkellerstraße 13a).
Wir freuen uns immer über neue Mitstreiter*innen!

Warum ORGANIZE?
Europaweiter Rechtsruck, AfD im Bundestag, neoliberale Verelendung, Mietenwahnsinn, Asylrechtsverschärfungen, aufflammender Antifeminismus, Klimakatastrophe – Es ist eine „Zeit der Monster“ und wir sind mittendrin. Kein Zweifel: Für eine emanzipatorische Offensive brauchen wir jetzt einen langen Atem. Doch Stress, Vereinzelung und Ohnmachtsgefühle schnüren vielen derzeit die Kehle zu, obwohl sie eigentlich schreien wollen.

Wir sind überzeugt, dass linke Politik nicht nur neue Leidenschaft, sondern auch Formen verbindlicher und kontinuierlicher Organisierung braucht, wenn ihr auf dem Weg zu einer solidarischen Gesellschaft nicht die Puste ausgehen soll. Aber wie genau soll das aussehen? Wir wissen es nicht. Als offene Basisgruppe experimentieren wir jedoch in viele Richtungen, schreiten fragend voran und bleiben in Bewegung – immer auf der Suche nach einer radikalen Linken auf Höhe der Zeit.

Organisiert euch mit uns und werdet in antifaschistischen, feministischen und antikapitalistischen Kämpfen aktiv!