Vom sofortigen Kohleausstieg zur Klimagerechtigkeit – Ein Fazit der Ende Gelände Aktion 2018

Ausweislos durch die Nacht

Hinter uns liegt die größte Ende Gelände Aktion die es je gab. Vom 25.-29. Oktober kamen über 6000 Aktivist*innen aus ganz Deutschland, Europa und der Welt zusammen um Kohleinfrastruktur im Hambacher Revier zu blockieren, den sofortigen Kohleausstieg und eine globale Klimagerechtigkeit zu fordern.
Am Samstagmorgen starteten mehrere Finger mit 6500 Aktivist*innen von verschiedenen Orten. Weder die rechtswidrige Schikane des Polizeikessels am Bahnhof Düren am Freitag, wo rund 1000 Aktivist*innen aus dem Sonderzug über Stunden festgehalten wurden, mit dem Ziel diese einzuschüchtern, noch Polizeipferde, Wasserwerfer, Knüppel oder Pfefferspray kamen gegen die Entschlossenheit und den Mut der Aktivist*innen an oder konnten diese aufhalten mit rund 2000 Leuten über 24 Stunden die Hambachbahn zu besetzen, die sogenannte „Schlagader des Reviers“, auf der normalerweise pro Stunde 9000 Tonnen Braunkohle aus der Grube zum Kraftwerk befördert werden. Nach 15 km Fußweg übernachteten noch 1500 Aktivist*innen bei 3 Grad auf den Schienen und liefen am nächsten Tag nochmal 15 km feiernd zurück zum Ende Gelände Camp. Ungefähr 150 Menschen hatten sich entschlossen noch auf den Schienen zu bleiben, teilweise in Lock-On’s, und wurden sobald sich die meisten Aktivist*innen auf den Weg zurück zum Camp gemacht hatten brutal von der Polizei geräumt. Hierbei soll nochmal klar gesagt werden: Das ein Großteil der Aktivist*innen die Schienen am Morgen freiwillig verließen ist keine Entsolidarisierung mit denjenigen die noch dort blieben, sondern ganz im Gegenteil. Die Entscheidung wer geht und wer bleibt wurde miteinander abgesprochen und im Konsens und in solidarischer Haltung zueinander beschlossen. Auch hier zeigt sich die solidarische Stärke der Klimabewegung, in der alle nur so weit gehen, wie sie wollen und möchten.
Die eingesetzte Gewalt kann durchaus als Ausdruck der Frustration der Polizei NRW gesehen werden, die sich über Monate zum Handlanger der Landesregierung und RWE machten und schlichtweg keine Möglichkeit hatte, etwas gegen eine Blockade von 2000 Menschen zu tun. Wir waren schlichtweg zu Viele, als dass uns die Staatsgewalt wirklich etwas anhaben konnte und darin liegt wohl eines der empowernsten Momente bei Aktionen von Ende Gelände. 



Der heiße Herbst der Solidarität

Seit 2015 macht das Bündnis Ende Gelände nun Aktionen des zivilen Ungehorsams die sich gegen die Infrastruktur von Braunkohlerevieren richtet. Seit 2012 ist der Hambacher Forst besetzt. Seit Jahren wächst und entwickelt sich also die Klimabewegung in der BRD in einer unglaublichen Dynamik. Mit der Räumung der Besetzungen des Hambacher Forstes in diesem Herbst wurde offensichtlich dass die NRW-Landesregierung etwas politisch nicht mehr tragbares durchzusetzen versucht um das Kapitalinteresse von RWE zu befriedigen und dabei völlig am gesellschaftlichen Diskurs und an rationaler Vernunft, nämlich den Klimawandel aufzuhalten, vorbei agiert. Durch den Kampf um den Erhalt des Hambacher Forst ist es der Klimabewegung gelungen die unterschiedlichsten Gruppen, von militanten Waldbesetzer*innen, über betroffene Anwohner*innen aus der Region, Aktivist*innen aus der ganzen Welt bis hin zu NGO’s und Politiker*innen zusammen zu bringen. Dies wurde besonders deutlich als am 06. Oktober am Hambacher Forst 50.000 Menschen zusammen kamen, um den ein Tag vorher verkündeten vorläufigen Rodungsstop des Waldes zu feiern. Mit 8000 Menschen wurde darüber hinaus nochmal deutlich gemacht, dass der Wald uns und nicht den Konzernen oder der Politik gehört.
Dies reiht sich auch in die Ereignisse des Herbstes der Solidarität ein, bei dem überall in Deutschland zehntausende Menschen zusammen kamen und nun diejenigen unübersehbar macht, die sich gegen den rechten Albtraum wenden und für eine solidarische und ökologische Zukunft einstehen. Sei es bei den zahlreichen Seebrücke-Demos, bei #unteilbar in Berlin, bei #wirsindmehr in Chemnitz, auf der We‘ll-come-united-Parade in Hamburg oder eben am Hambacher Forst

Mit den Ende Gelände Aktionen vom 25.-29. Oktober wurde nun nochmals das Versprechen des heißen Herbstes für RWE, die Landes- aber auch die Bundesregierung eingelöst und deutlich gemacht, dass es keine Zeit mehr zum warten gibt, sondern es jetzt den sofortigen Kohleausstieg braucht.

In Bewegung bleiben

Die Klimabewegung hat nun endlich ihren symbolischen Ort gefunden, welcher als Kristallisationspunkt für den Kampf für eine globale Klimagerechtigkeit dienen kann. In einem solch komplexen und teils abstrakten Kampf, wie dem der Klimagerechtigkeit, braucht es ebendiese Orte um konkreter, Missstände und Ungerechtigkeiten aufdecken und zeigen zu können. Wichtig bleibt allerdings dass wir nicht beim Thema des sofortigen Kohleausstiegs stehen bleiben und unseren Kampf nicht als einen rein reformistischen in dem Sinne begreifen, dass es mit einem kommenden Kohleausstieg getan sei. Als radikale Linke und als Klimabewegung müssen wir Perspektiven aufzeigen die darüber hinausweisen, deutlich machen, dass der Kapitalismus sich qua Definition seiner eigenen Grundlage beraubt und wir deshalb grundlegend etwas an der Art und Weise ändern müssen, wie wir wirtschaften, konsumieren und mit der Natur umgehen. Gleichzeitig müssen wir weiterhin auch für konkrete Verbesserungen kämpfen: zusammen mit den betroffenen Anwohner*innen für den Erhalt ihrer Dörfer um die Tagebauten, für einen sofortigen Kohleausstieg oder für einen sozialen Strukturwandel.
Genau deshalb ist es nun nötig, am Thema des Kohleausstiegs dran zu bleiben, das Agieren von Großkonzernen wie RWE weiter zu skandalisieren und den Diskursrahmen stetig auszuweiten.

Wir haben diesen Herbst zusammen viel erreicht und mit Nachdruck deutlich gemacht, dass es keine Zeit mehr zum warten gibt und wir jetzt handeln müssen, wenn wir nicht wollen, dass in ein paar Jahrzehnten der vergangene Sommer als eher kühl gilt, Unmengen von pazifischen Inseln im Meer verschwunden sind, es immer mehr unbewohnbare Gegenden auf der Erde gibt, Wetterextreme zu nehmen und unter alldem Millionen Menschen leiden müssen.
Organisiert und engagiert euch, sei es in der Ende Gelände Ortsgruppe aus Jena oder bei uns, PEKARI.
Lasst uns zusammen weiterkämpfen, für den sofortigen Kohleausstieg, für ein Klima der Gerechtigkeit und für den Erhalt unserer Lebensgrundlage.

Auf geht’s, ab geht’s!


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